Val de Bagnes: An der Quelle – eine vernetzte und energieautarke Wasserentnahmestelle
Oberhalb von Bruson, in der Gemeinde Val de Bagnes, überwacht eine Trinkwasserquelle nun selbst ihre eigene Qualität – in Echtzeit und ohne externe Stromversorgung. Seit Sommer 2023 ist die Wasserfassung Les Tassières mit einem innovativen, von Romag entwickelten System ausgestattet, das kontinuierlich die Wasserparameter misst und gleichzeitig dank des natürlichen Gefälles der Quelle seine eigene Energie erzeugt. Ein Projekt, das aus einer Zusammenarbeit zwischen Romag und Altis hervorgegangen ist und nach seiner Präsentation bei der BlueArk Challenge 2022 umgesetzt wurde.
Die Idee stammt nicht aus einem Labor, sondern aus der Praxis. «Die Anfrage kam von Altis», erklärt Patrick Graber, Vertriebsleiter für die Westschweiz bei Romag. Das Unternehmen hatte bereits ein Gerät zur Wasserqualitätskontrolle an der Quelle entwickelt, das WabeSense, das von den Betreibern mobil eingesetzt wurde. Die Herausforderung bestand darin, zu einer fest installierten, permanent vernetzten Lösung überzugehen, die an oft schwer zugänglichen Orten autonom funktionieren kann.
Das Ergebnis ist eine kompakte Anlage – etwa 1,7 Meter hoch und 85 Zentimeter breit –, die Trübung, Leitfähigkeit, pH-Wert und Temperatur des Wassers direkt an der Quelle messen kann.
Energieerzeugung mit weniger als einem Meter Fallhöhe
Die grösste Herausforderung dieses Projekts lag in der Stromversorgung des Systems. Es kam nicht in Frage, Kabel zu einer abgelegenen Bergquelle zu verlegen. Die gewählte Lösung: die Wasserkraft der Quelle selbst zu nutzen. «Die wichtigste Innovation ist die Energieerzeugung mit einer sehr geringen Fallhöhe von weniger als einem Meter», erklärt Patrick Graber. Um dies zu erreichen, arbeitete Romag in der Test- und Produktionsphase mit der HTA Freiburg zusammen.
Die Anlage verfügt über einen vorgelagerten Behälter, der das Wasser beruhigt und Schwebstoffe bis zu einer Grösse von 5 mm zurückhält, bevor der Höhenunterschied zwischen Ein- und Ausgang die Energie erzeugt, die für den Betrieb der Sensoren und die Datenübertragung benötigt wird. «Die grösste Herausforderung besteht darin, den Durchfluss der Quelle sowohl bei Niedrigwasser als auch bei Hochwasser genau zu kennen, um das System korrekt zu kalibrieren», betont er.
Ein wertvolles Werkzeug für die Betreiber
Bei Altis hebt Alexandre Gillioz, Leiter der Abteilung Wasser und Energie, die konkreten Vorteile für die Teams vor Ort hervor. „Wir haben nun einen kontinuierlichen Fernüberblick über die Qualitätswerte der Quelle. Das liefert uns weitaus mehr Daten als zuvor, mit einer vollständigen saisonalen Abdeckung.“
Die Echtzeitüberwachung von pH-Wert, Leitfähigkeit und Trübung ermöglicht es, jede Anomalie schnell zu erkennen. „Die kontinuierliche Datenerfassung ermöglicht es uns, die Stabilität der Quelle zu beobachten und bestimmte Probleme zu antizipieren, bevor sie kritisch werden“, erklärt Alexandre Gillioz. Seit der Inbetriebnahme ist die Bilanz positiv: Das System funktioniert gut und erfordert nur wenig Wartung.
Anpassung an alle Quellen
Diese erste vernetzte Wasserentnahmestelle in Les Tassières dient als Pilotprojekt, doch die Ambitionen reichen weiter. Bei Romag werden derzeit mehrere ähnliche Projekte geprüft. „Die Messmöglichkeiten lassen sich an die spezifischen Anforderungen jeder Wasserentnahmestelle anpassen“, bemerkt Patrick Graber. Im Jahr 2025 wurden sogar Tests zur Radonmessung durchgeführt. Eine Integration des Systems in Lösungen zur kontinuierlichen Überwachung wird ebenfalls gemeinsam mit einem spezialisierten Partner geprüft.
Bei Altis stellt sich die Frage, ob diese Art von Anlage auf andere Wasserfassungen ausgeweitet werden soll, von Fall zu Fall. «Wir haben noch kein Folgeprojekt geplant, aber das Potenzial ist vorhanden», erklärt Alexandre Gillioz. Eines ist sicher: Diese unauffällige Wasserfassung ebnet den Weg für eine intelligentere und proaktivere Bewirtschaftung der Trinkwasserressourcen.
