Wasser auf den Alpweiden: eine entscheidende Herausforderung für das Wallis

Die Walliser Alpweiden stehen vor einer grossen Herausforderung: der Wasserversorgung. Bei einem Bedarf von 80 Litern pro Tag und Kuh und einem Gesamtverbrauch von 510’000 m3 pro Jahr wird die Frage der Wasserversorgung zu einem entscheidenden Thema. Gérald Dayer, Leiter des Landwirtschaftsdepartements des Kantons Wallis, brachte das Thema im vergangenen November auf der 6. BlueArk-Konferenz zur Sprache und betonte, dass dringend gehandelt werden müsse, um diese lebenswichtigen Räume zu erhalten.

«Im Jahr 2060 wird es im Winter mehr Wasser und weniger Schnee geben», warnt Gérald Dayer. Die Dürren werden im Sommer um 44 % intensiver sein und die Wasserversorgung der Alpweiden gefährden. Bereits heute werden sechs Liter Wasser für die Herstellung eines Käses und 100 Liter für die Sömmerung der Gemeinden benötigt.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, müsste das Wallis nach ersten Schätzungen 80 Millionen Franken in seine Alpweiden investieren. «Für die Bewässerung müssten 60 Millimeter Regen kompensiert werden. Das entspricht 15’000 olympischen Schwimmbecken», veranschaulicht Gérald Dayer. Um nur 1 % der Flächen zu bewässern, wäre eine Investition von 46 Millionen erforderlich.

Grosse wirtschaftliche und touristische Herausforderungen

Trotz dieser hohen Kosten ist die Erhaltung der Alpweiden unerlässlich, insbesondere im Hinblick auf den Nahrungsmittelbedarf. Ohne rasches Handeln drohen dem Wallis wirtschaftliche Verluste, ganz zu schweigen davon, dass die Naturgefahren zunehmen und die Attraktivität für den Tourismus darunter leiden könnte.

Angesichts dieser Feststellung betont Gérald Dayer die Notwendigkeit, so viel Wasser wie möglich zu speichern. Dazu müssen jedoch mehrere Bedingungen erfüllt sein. Zunächst einmal müssen die Ökosysteme besser verstanden und der aktuelle und zukünftige Bedarf ermittelt werden. «Für jede Alpweiden muss man wissen, welche Instandhaltungsmassnahmen erforderlich sind, und welche Investitionen getätigt werden müssen», erklärt Gérald Dayer. So lassen sich die zu ergreifenden Massnahmen effizient planen.

Es ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich, gefolgt von einer Analyse jeder einzelnen Alpweiden in Zusammenarbeit mit externen Partnern. Diese Studie muss nicht nur das Wasser, sondern auch den Schutz des Viehs und die Bewirtschaftungsweise berücksichtigen. «Wir brauchen genaue Zahlen und Angaben zu den aktuellen Wasserressourcen», betont er.

Anschliessend ist es entscheidend, klare politische Rahmenbedingungen zu schaffen. Politische Überlegungen sind unerlässlich, insbesondere im Zusammenhang mit der Gesetzgebung und der Priorisierung der Nutzung. «Die Ernährung und die Wasserversorgung müssen Vorrang haben», betont Gérald Dayer. Dazu muss jedoch ein klarer gesetzlicher Rahmen definiert werden. Auch die Frage der Wasserreserven in Stauseen stellt sich. Möglicherweise müssen diese genutzt werden, um die Ernährung und damit die Landwirtschaft zu sichern.

Vorausschauendes Handeln, um Notfallmassnahmen zu vermeiden

Gérald Dayer warnt vor provisorischen Lösungen: «Wir müssen vermeiden, Wasser mit Helikoptern auf die Alpweiden zu transportieren.» Eine vorzeitige Alpabfahrt und die Einrichtung von Wasserversorgungsanlagen mit Zisternen sind nur geringfügige Massnahmen. Langfristig sind strukturelle Lösungen erforderlich.

Um vorausschauend zu handeln, ist die Zusammenarbeit zwischen Eigentümern, Gemeinden und Kantonen unerlässlich. Der Kanton kann technische und finanzielle Unterstützung leisten, aber er kann die Projekte vor Ort nicht allein tragen.

Die Viehzucht auf den Alpen überdenken?

Muss angesichts dieser Herausforderungen die Art der Tiere auf den Alpen geändert werden? Gérald Dayer bleibt vorsichtig: «Die Dinge müssen auf natürliche Weise geschehen.» Derzeit läuft keine Studie, aber in Zukunft werden wir vielleicht mehr Kleinvieh sehen, das sich auf trockeneren Weiden wohler fühlt. Aber jede Alpweiden muss individuell untersucht werden. «Angesichts der sich abzeichnenden Herausforderungen in der Ernährung werden die Alpen jedoch mehr denn je gebraucht.» Um sie zu erhalten, ist Wasser ein wichtiges Thema, das konzertierte und vorausschauende Massnahmen erfordert.

Aufgezeichnet am 12. November 2025 während der BlueArk-Konferenz

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