Entsorgung von Schnee: eine ökologische Herausforderung, insbesondere für die Alpenkantone
Schnee ist ein Symbol für den Wintertourismus und eine Quelle der Begeisterung für Pulverschneeliebhaber. Er stellt jedoch auch eine grosse Herausforderung für die Alpenkantone dar, die insbesondere in Berggebieten manchmal mit starken Schneefällen konfrontiert sind. An der BlueArk-Konferenz am 12. November in Le Châble stellte Yves Quirin vom Amt für Natur und Umwelt des Kantons Graubünden eine eingehende Analyse der Herausforderungen der Entsorgung von Schnee und ihrer Auswirkungen auf die Wassersysteme vor.
«Schnee lässt uns träumen. Aber ohne Schnee gibt es keinen Wintertourismus», erinnert Yves Quirin. Der Klimawandel hat bereits einige Winter geprägt, insbesondere 2003 mit Trockenperioden und wenig Schnee. Paradoxerweise bringen starke Schneefälle andere Probleme mit sich. „Sobald es viel Schnee gibt, wird die Sicherheit auf unseren Strassen zu einem Problem. Die Strassen müssen sofort geräumt werden, um Chaos zu vermeiden.“
Schnee als Sondermüll
Die Frage der Entsorgung des geräumten Schnees sorgt für Emotionen und Diskussionen. «Unter dem Schnee versteckt sich Abfall, und manche Menschen halten es für illegal, den von den Strassen geräumten Schnee in Gewässer zu kippen», erklärt Yves Quirin. Bei der Ausarbeitung einer Vollstreckungsmitteilung für eine geregelte Entsorgung von Schnee stiess der Bündner Experte auf zahlreiche Einwände: Einleitung in Kläranlagen aufgrund der Abkühlung des Abwassers unmöglich, Einleitung in Gewässer problematisch, Ablagerung auf Wiesen verschmutzt den Boden… «Leider kann Schnee, der als Sonderabfall zu betrachten ist, nicht verbrannt werden», scherzt er und verdeutlicht damit die Komplexität des Problems.
Eine bahnbrechende Studie in Chur
Im Januar 2019 ermöglichten die starken Schneefälle in Chur die Durchführung einer eingehenden Studie. Das Tiefbauamt wollte den Schnee in den Rhein einleiten, was zu einer Analyse seiner Qualität führte. Die an verschiedenen Strassenabschnitten entnommenen Proben zeigten eine komplexe Zusammensetzung.
«Das Strassenabwasser von stark befahrenen Strassen ist mit Schwermetallen und organischen Substanzen wie polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen sowie Mikroverunreinigungen belastet», erklärt der Experte. Diese Schadstoffe stammen aus dem Verschleiss von Bremsen, Reifen, Abgasen und der Fahrbahn selbst. Die meisten Partikel sind sehr klein, weniger als 32 Mikrometer.
Was ist verschmutzter Schnee?
Aufgrund dieser Analysen hat der Kanton Graubünden eine Unterscheidung zwischen unverschmutztem und verschmutztem Schnee getroffen. Ersterer ist weiss, weniger als 48 Stunden alt und stammt von Strassen mit einem durchschnittlichen Tagesverkehr von weniger als 14.000 Fahrzeugen. Letzterer sieht verschmutzt aus, ist älter als 48 Stunden und stammt von stark befahrenen Strassen.
Was das Streusalz angeht, ist Yves Quirin pragmatisch. «Die negativen Auswirkungen sind begrenzt. Es gibt keine besseren Alternativen. Aus Gründen der Verkehrssicherheit kann auf den Einsatz von Streusalz nicht verzichtet werden.»
Vier mögliche Arten der Schneelagerung
Der Kanton hat vier mögliche Arten der Lagerung entwickelt, je nachdem, ob der Standort wasserdicht ist oder nicht und wie stark der Schnee verschmutzt ist. Grundsätzlich ist es unabhängig von der Art der Lagerung nicht erlaubt, verschmutztes Schmelzwasser in einem Gewässer zu leiten. An undurchlässigen Ablagerungsorten müssen die Richtwerte für anorganische Stoffe im Boden je nach den Umständen eingehalten werden oder nicht. Darüber hinaus ist die Einleitung von verschmutztem Schnee direkt in ein Gewässer nicht zulässig.
Diese Empfehlungen, die auf Deutsch und Italienisch verfügbar sind, bieten den für die Entsorgung von Schnee Verantwortlichen einen klaren Rahmen und tragen gleichzeitig zum Schutz der Umwelt bei. Diese Überlegungen aus Graubünden könnten ein Vorbild für alle Alpenkantone sein, die mit den Herausforderungen der Entsorgung von Schnee im Winter und dem Schutz der Gewässer konfrontiert sind.
