Naturgefahren: Ein Projekt zum besseren Verständnis und zur Kartierung von Gewittern im Wallis
Die Dienststelle für Naturgefahren des Kantons Wallis (DNAGE) hat 2024 ein Projekt zur Charakterisierung von Gewittern im Wallis initiiert, dessen Durchführung dem Forschungszentrum für die alpine Umwelt (CREALP) übertragen wurde. Ziel ist es, die Bewertung von Naturgefahren zu verbessern und die Analyse von Extremereignissen zu verfeinern, indem hochauflösende Radardaten ausgewertet werden.
In den letzten Jahren wurde das Wallis von mehreren schweren Ereignissen heimgesucht, die in direktem Zusammenhang mit intensiven Gewittern standen. Das Hochwasser der Rhone im Juni 2024, die Murgänge in Chamoson in den Jahren 2018, 2019 und 2023 sowie das Überlaufen der Navizence im Val d’Anniviers im Juli 2018 sind dafür markante Beispiele.
Nach jedem Ereignis zeigen Analysen sehr hohe Wiederkehrperioden, die manchmal über 100 oder sogar 300 Jahre betragen. «Diese Zahlen werfen berechtigte Fragen auf: Sind diese Ereignisse wirklich so selten, wie man denkt, oder gibt es Verzerrungen in ihrer statistischen Interpretation?», erklärt Lysiane Mayoraz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der DNAGE.
Zehn Jahre Radardaten unter der Lupe
Um diese Fragen zu beantworten, stützte sich die erste Phase des Projekts, die 2025 durchgeführt wurde, auf zehn Jahre hochauflösender Radardaten von MeteoSchweiz, die seit 2015 den gesamten Kanton abdecken. «Anhand dieser Daten konnten wir die Gewitter hinsichtlich Dauer, Intensität und Niederschlagsmengen charakterisieren und ihre räumliche Verteilung im Kanton besser verstehen, ganz im Sinne der vom DNAGE definierten Ziele», erklärt Theo Baracchini, Spezialist für operationelle Hydrologie am CREALP.
Eine zentrale Herausforderung dieser Phase bestand darin, eine bedeutende statistische Verzerrung zu identifizieren: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gewitter tatsächlich eine Bodenmessstation trifft, ist gering. Doch genau auf diesen punktuellen Messungen beruhen die Schätzungen zur Seltenheit der Ereignisse. «Wenn ein heftiges Gewitter zwischen zwei Stationen niedergeht, bleibt es in den Statistiken unbemerkt. Das verzerrt unsere Wahrnehmung der tatsächlichen Häufigkeit dieser Phänomene», betont Lysiane Mayoraz.
Eine zweite Phase für den Einsatz in der Praxis
Aufbauend auf den Erkenntnissen dieser ersten Phase startet die DNAGE ab Mai 2026 eine zweite Projektphase, die stärker auf die konkreten Bedürfnisse vor Ort ausgerichtet ist. Dabei geht es insbesondere darum, die Methoden zur Gewittererkennung zu verbessern, zusätzliche Daten wie CombiPrecip zu integrieren und Analysen auf Ebene der Einzugsgebiete durchzuführen.
«Das Ziel ist es, ein echtes Gewitterkataster auf kantonaler Ebene zu erstellen, mit Visualisierungstools, die auf Ingenieure zugeschnitten sind, die an der Bewertung von Naturgefahren arbeiten», erklärt Theo Baracchini. Langfristig soll dieses Projekt es dem DNAGE ermöglichen, die Seltenheit von Gewitterereignissen besser einzuschätzen und die Qualität der nachträglichen Analysen zu verbessern – ein entscheidender Aspekt in einem Kanton, der besonders stark von Naturgefahren bedroht ist.
Weitere Informationen: www.vs.ch/DNAGE & www.crealp.ch
(Arbeiten von Fernando Galan-Moles (CREALP))
