Ein Wildbach unter Beobachtung in Zinal: Sechs Jahre Daten für einen besseren Schutz des Dorfes

Dépotoir du torrent Pétérey à Zinal.

Seit 2019 verfolgen Forscher der EPFL aufmerksam die Entwicklung des Schutzbauwerks am Wildbach Pétérey in Zinal. Die bis 2025 gesammelten Ergebnisse lassen keinen Zweifel: Dieses Schutzbauwerk wird regelmässig beansprucht, manchmal auf spektakuläre Weise, und seine regelmässige Überwachung ist vor dem Hintergrund des Klimawandels unverzichtbar. Dies geht aus einem Bericht hervor, der von Thomas Jordan, einem Zivildienstleistenden am Labor für Umwelthydraulik der EPFL (LHE), unter der Betreuung von Ingenieur Bob de Graffenried verfasst wurde.

Der Wildbach Pétérey entspringt im Val d’Anniviers unterhalb des Bonnard-Gletschers. Dieser Gletscher, der im Laufe der Jahre vollständig mit Geröll bedeckt wurde, stellt ein wachsendes Risiko für das flussabwärts gelegene Dorf Zinal dar. Mit der Beschleunigung der Eisschmelze kommt es häufiger zur Mobilisierung von Geröll, insbesondere bei starken Regenfällen oder Schneeschmelze.

Zum Schutz der Einwohner und der Infrastruktur wurde 2017 ein bedeutendes Bauwerk errichtet: ein Geröllauffangbecken, das mit einem Stahlgitter ausgestattet ist, welches die vom Wildbach mitgeführten grossen Felsblöcke zurückhalten kann. Seine theoretische Aufnahmekapazität beträgt 60’000 m³ Geröll. Seit 2019 führt das LHE regelmässige topografische Überwachungen dieses Bauwerks durch.

Material, das sich Jahr für Jahr ansammelt

Anhand von digitalen Oberflächenmodellen, die mit Drohnen erstellt wurden, konnten die Forscher die geomorphologische Entwicklung der Deponie in regelmässigen Abständen rekonstruieren. Zwischen 2019 und 2024 sind die Bilanzen durchweg positiv – das heisst, die Ablagerungen überwiegen die Erosion. Die grössten Volumina wurden zwischen Juni 2023 und August 2024 gemessen, mit einer Nettobilanz von über 4’800 m³ in diesem Zeitraum.

Das markanteste Ereignis war das vom 21. Juni 2024. Eine massive Murgangflut bedeckte fast die gesamte Aufschüttung und lagerte in einem einzigen Ereignis mehr als 6’000 m³ Material ab. Der Murgang erreichte den Ausgang der Aufschüttung und lagerte am Fusse des fast 7 Meter hohen Gitters etwa 5 Meter Material ab. „Der Bau einer Auffangmulde in Zinal war von grossem Nutzen und stellt ein Schutzinstrument für die Infrastruktur und die Dorfbewohner dar“, betont der Bericht.

Eine notwendige Entleerung, eine fast sofortige Wiederbefüllung

Angesichts der fortschreitenden Befüllung des Bauwerks wurde im Herbst 2024 eine Entleerung durchgeführt. Dabei wurden mehr als 14’000 m³ Material abtransportiert – ein Volumen, das 1’400 Lastwagen (mit einer Ladekapazität von 10 m³) entspricht.

Im folgenden Frühjahr wurden bereits wieder neue Ablagerungen in der Deponie aufgenommen. Diese schnelle Wiederauffüllung verdeutlicht konkret die Häufigkeit der Wildbachaktivität und die Notwendigkeit, das Bauwerk ständig betriebsbereit zu halten Sedimente, die die Geschichte der Hochwasser erzählen

Die Arbeit von Thomas Jordan beschränkte sich nicht nur auf die Ansammlung von Material. Es wurden auch Korngrössenanalysen – also die Untersuchung der Grösse der abgelagerten Körner und Blöcke – mithilfe der Software GALET durchgeführt, die künstliche Intelligenz zur Analyse der Geländebilder nutzt.

Diese Analysen zeigten eine vertikale Anordnung der Ablagerungen: Feines Material neigt dazu, nach unten zu sickern, während grössere Blöcke an die Oberfläche gelangen. Dieses für Murgänge typische Phänomen der Korngrössen-Segregation ermöglicht es, die grössten Blöcke über grössere Entfernungen zu transportieren. Anhand von Versuchen im kleinen Massstab, die in den Laboren der EPFL unter der Leitung von Prof. Christophe Ancey durchgeführt wurden, können die Forscher des LHE die Korngrössen-Segregation in einer kontrollierten Umgebung untersuchen.

Weiterhin überwachen – eine Verpflichtung

Diese Daten lassen eine einheitliche Schlussfolgerung zu: Der Pétérey-Murgang ist aktiv, in seiner Intensität unvorhersehbar, und die Geröllhalde von Zinal spielt eine konkrete und dokumentierte Schutzrolle. Angesichts des anhaltenden Gletscherschwunds und der zunehmenden Häufigkeit von Extremereignissen ist die Aufrechterhaltung dieser regelmässigen topografischen Überwachung keine Option. Sie ist eine Notwendigkeit, um Risiken vorausschauend zu erkennen, Entleerungsmassnahmen zu planen und die Sicherheit des Dorfes zu gewährleisten.

Weitere Informationen

Den vollständigen Bericht lesen: https://zenodo.org/records/20589712
Quelle: Labor für Umwelt-Hydraulik, EPFL, https://lhe.epfl.ch
Bildnachweis: Bob de Graffenried

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