Eine Delegation aus dem Wallis taucht in Limoges in die Welt des Wassers ein
Rund fünfzehn Wasserexperten aus dem Wallis reisten am 1. und 2. September 2026 auf Einladung von BlueArk nach Limoges, um an einer „Learning Expedition“ beim OiEau (Office International de l’Eau) teilzunehmen. Das Ziel: die Angebote im Bereich der beruflichen Weiterbildung sowie die Ansätze zur Nutzung und Aufbereitung von Daten kennenzulernen und sich davon inspirieren zu lassen – mit Blick auf einen zukünftigen Austausch und mögliche Kooperationen. Die Delegation setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern von Gemeinden, Betreibern von Kläranlagen, im Wasserbereich tätigen Ingenieurbüros, Forschenden sowie Mitgliedern des BlueArk-Teams zusammen, das diese Reise organisiert hatte.
Der erste Tag begann mit einer Vorstellung des OiEau und seines Ausbildungszentrums, das bereits 1977 gegründet wurde – lange vor der Gründung der Organisation selbst im Jahr 1991. Die Organisation zeichnet sich durch ihre vier Haupttätigkeitsbereiche aus: berufliche Weiterbildung, institutionelle und technische Unterstützung, Informationssysteme sowie die Förderung von Akteursnetzwerken. „Bei OiEau entwickeln wir Kompetenzen, um Wasser besser zu bewirtschaften“, fasste Joseph Pronost einleitend zusammen.
Anschliessend besichtigte die Walliser Delegation die Ausbildungsplattformen am Standort Limoges, die ein breites Spektrum an Themen abdecken: Pumpen, Trinkwasserversorgung, Lecksuche, Regenwassernutzung, Regenwassermanagement, Renaturierung sowie mechanische Instandhaltung. Die Besucher konnten insbesondere konkrete Anlagen kennenlernen, die technische Phänomene wie Kavitation verständlich machen, oder auch die Herausforderungen im Zusammenhang mit der hydraulischen Druckregelung – ein in Frankreich zentrales Thema zur Verbesserung der Netzleistung und zur Begrenzung von Leckagen.
Auf nach La Souterraine und zu den Anlagen in Originalgrösse
Der Nachmittag war dem Besuch des Ausbildungsstandorts in La Souterraine gewidmet, der etwa 45 Minuten von Limoges entfernt liegt. Dieser Standort beherbergt beeindruckende Anlagen, wie beispielsweise eine Pilotkläranlage zur Aufbereitung des städtischen Abwassers, die im Dauerbetrieb läuft (ausser im Juli und August) und sogar künstliche Intelligenz integriert.
Die Teilnehmer konnten den gesamten Wasserkreislauf vor Ort verfolgen: Aufbereitung von Oberflächenwasser, Speicherung in Reservoirs, Verteilung, aber auch kommunale und dezentrale Abwasserentsorgung mit einem unterirdischen Netz, das besichtigt werden kann. Der Besuch bot zudem die Gelegenheit, die einzelnen Schritte der Trinkwasseraufbereitung kennenzulernen, von der Koagulation und Flockung über die Ozonung und Remineralisierung bis hin zur Desinfektion.
Daten im Dienste der Wasserwirtschaft
Der zweite Tag begann mit einer Präsentation des Bereichs „Daten“ des OiEau, moderiert von Dimitri Meunier. Dieser Tätigkeitsbereich, der aus der Dokumentenverwaltung und einer historischen Bibliothek mit 250’000 Referenzen hervorgegangen ist, wurde entwickelt, um einem landesweiten Problem der Harmonisierung wasserbezogener Daten zu begegnen. So war das OiEau an der Einrichtung von SANDRE beteiligt, einem Standardisierungssystem, das die Interoperabilität der Daten auf französischer Ebene ermöglicht.
Mehrere konkrete Beispiele prägten den Austausch, wie beispielsweise die Überwachung von Schalentierzuchtgebieten, wo ein Netzwerk es ermöglicht, das Ministerium zu alarmieren und ein kontaminiertes Gebiet bereits 2 bis 3 Stunden nach Feststellung einer Verschmutzung zu sperren, oder auch das Projekt eines digitalen Zwillings des Hafens von Bordeaux, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Flussmündung vorwegzunehmen. «Dank der Standardisierung können wir schnell handeln: Wenn eine neue zu überwachende Substanz wie PFAS hinzukommt, liegen bereits nach drei Monaten Ergebnisse vor», erklärte Dimitri Meunier. Die Walliser Delegation konnte zudem die Grenzen der Übertragung dieses zentralisierten französischen Modells auf andere Kontexte feststellen, insbesondere in der Schweiz, wo die Datenverwaltung nach wie vor stärker dezentralisiert ist.
Europäische Projekte im Zeichen der Innovation
Der Vormittag endete mit einem Vortrag von Éric Mino über die Aktivitäten des OiEau im Bereich „europäische Projekte“. Die Organisation beteiligt sich aktiv an zahlreichen Forschungs- und Innovationsprogrammen, die der Schweiz zur Teilnahme offenstehen, wie OPTAIN, Water4All oder InnWater, oft im Zusammenhang mit naturbasierten Lösungen und der Bewirtschaftung alternativer Wasserressourcen.
Das OiEau übernimmt in diesen europäischen Projekten verschiedene Rollen: Ausarbeitung von Projektanträgen, thematische Expertise, Koordination bestimmter Teilbereiche oder auch Unterstützung von Kommunen und Industrieunternehmen, die sich an Ausschreibungen beteiligen möchten. Initiativen wie AWARD oder Spongework veranschaulichen diese Dynamik mit Demonstrationsprojekten zu alternativen Wasserressourcen und Strategien nach dem «Schwammprinzip» angesichts des Klimawandels. Zum Abschluss kamen die beiden Delegationen bei einem gemeinsamen Essen zusammen und konnten erste Ansätze für eine zukünftige Zusammenarbeit zwischen dem Wallis und dem OiEau diskutieren.
