Wasserknappheit im Wallis: Im Val de Bagnes wird das Wasser bereits rationiert, um sich auf den Winter vorzubereiten
Die Wasserknappheit, von der das Wallis in diesem Sommer betroffen ist, beschränkt sich nicht auf vereinzelte Einschränkungen. In Val de Bagnes ist die Lage so besorgniserregend, dass die Gemeinde gemeinsam mit der Netzbetreiberin Altis bereits Vorkehrungen für die Wintermonate trifft. Ein von Canal 9 ausgestrahlter Beitrag beleuchtet die Situation anhand der Aussagen von Alexandre Gillioz, Leiter des Bereichs Wasser und Energie bei Altis.
Die Einschätzung von Alexandre Gillioz ist eindeutig: «Die aktuellen Wasserreserven entsprechen dem Stand im Oktober oder sogar November. Wir sind dem üblichen Verlauf um ein bis zwei Monate voraus», erklärt er. Dieser Vorsprung von mehreren Wochen gegenüber der üblichen saisonalen Entwicklung beunruhigt die Gemeindeverantwortlichen.
Davon ist übrigens nicht nur Val de Bagnes betroffen: Auch andere Walliser Gemeinden wie Conthey und Grimisuat haben in den vergangenen Wochen bereits Alarm geschlagen. Die Quellen, die die Reservoirs speisen, können mit dem Verbrauch kaum Schritt halten. Dies gilt insbesondere für die Speicher auf den Alpen, wo die Wasserversorgung von einer begrenzten Anzahl an Quellen abhängt.
«Wir haben keine andere Möglichkeit, diese Chalets mit Wasser zu versorgen. Die Quelle liefert derzeit nur noch eine Wassermenge, die dem üblichen Niveau im Winter entspricht. Dadurch leert sich das Reservoir schneller, als es von der Quelle wieder aufgefüllt werden kann», erklärt Alexandre Gillioz.
Rationierung, um für den Winter vorzusorgen
Angesichts dieser Situation hat Val de Bagnes beschlossen, das Wasser bereits jetzt zu rationieren, anstatt eine noch schwerwiegendere Krise mitten im Winter abzuwarten. Dabei geht es insbesondere darum, eine ausreichende Versorgung von Verbier sicherzustellen – einem Ferienort, dessen Einwohnerzahl und Wasserbedarf während der Wintersaison stark ansteigen.
«Das ist wirklich eine aussergewöhnliche Situation. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, wissen wir nicht, wie wir diesen Winter überstehen sollen», warnt der Wasserverantwortliche von Altis und macht damit die Dringlichkeit der Lage deutlich.
Einfache Massnahmen, die etwas bewirken
Der Beitrag von Canal 9 zeigt auch, dass die Sensibilisierung der Bevölkerung rasch Wirkung zeigen kann. In Conthey konnte der Verbrauch durch einen einfachen Aufruf an die Bevölkerung innerhalb kürzester Zeit gesenkt werden.
«In weniger als 24 Stunden haben die Menschen reagiert und Wasserentnahmestellen geschlossen oder die Bewässerung eingestellt. Allein dank dieses Aufrufs konnten wir den Abfluss aus dem Reservoir bereits um zwei Liter pro Sekunde reduzieren», freut sich Alexandre Gillioz.
Ein wertvoller Erfolg, der jedoch nicht ausreicht, um sämtliche Bedenken auszuräumen. Das Beispiel verdeutlicht, welche Rolle die Bevölkerung selbst spielen kann: unnötige Wasserentnahmen stoppen, die Bewässerung einstellen – einfache Massnahmen, die dazu beitragen, den Druck auf die ohnehin schon knappen Reserven zu verringern.
Eine Situation, die sich weiter verschärfen könnte
Auf die Frage nach den weiteren Aussichten macht Alexandre Gillioz keinen Hehl daraus, dass sich die Situation noch verschärfen könnte. «Sollte sich die Lage in diese Richtung weiterentwickeln, könnten zusätzliche Einschränkungen bei der Bewässerung oder ähnliche Massnahmen verhängt werden», warnt er.
Der Beitrag von Canal 9 erinnert zudem daran, dass es sich keineswegs um eine einmalige Situation handelt. Solche Engpässe könnten sich künftig wiederholen und im Laufe der Zeit verschärfen. Das Schmelzwasser der Gletscher, das traditionell die Flüsse und das Grundwasser im Wallis speist, nimmt von Jahr zu Jahr ab. Diese Entwicklung veranlasst Akteure wie Altis dazu, ihre Wasserbewirtschaftung langfristig zu überdenken und sich auf häufigere und strengere Einschränkungen einzustellen.
Die Dürre dieses Sommers, bei der sich ausgetrocknete und vergilbte Böden bis in die Höhenlagen der Maiensässe erstreckten, markiert somit einen Wendepunkt in der Wasserbewirtschaftung im Wallis – ein Thema, das in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.
Die vollständige Reportage von Canal 9 von Sébastien Anex ist unter diesem Link zu sehen.
